1. Tag: Vom Hotel Pallas zur Hütte Nammalakuru
12,2km | 606m ↑, 580m ↓ | 6:25 Stunden Gehzeit inkl. Pausen
2. Tag: Von der Hütte Nammalakuru zum Hotel Pallas
14,3km | 194m ↑, 246m ↓ | 6:18 Stunden Gehzeit inkl. Pausen

 

Nach drei Wochen Wander-Entzug rief mich wieder die Natur und ich war brav und folgte ihr. Zum wiederholten Male mieteten Dominik und ich ein Auto und fuhren ganze 5 Stunden zum Nationalpark Pallas-Yllästunturi, um dort unsere erste Winterwanderung zu machen.

Wir reisten am Freitagnachmittag an, parkten beim Hotel Pallas und marschierten im Dunklen zur ca. 500m entfernt gelegenen Holzhütte Pallaksen kota, wo wir übernachteten. Solche Hütten sind einfach perfekt, um für eine Nacht zu bleiben: Es gibt eine Feuerstelle inklusive Holz und in den meisten Fällen auch ein Plumpsklo in der Nähe. Bemerkenswert war, dass wir trotz der Tatsache, dass es Nacht war, keine Stirnlampen für den Weg benötigten. Das Licht des Vollmonds wurde von der Schneelandschaft derart reflektiert, sodass wir genug Sicht zum Gehen und zur Wegfindung hatten.

 

Der erste Tag

Ich konnte mir noch nicht so ganz vorstellen, was es bedeutet, wenn die Sonne um 8:55 Uhr auf- und um 15:30 Uhr wieder untergeht. Wir stellten den Wecker daher auf 7:15 Uhr, um es herauszufinden und um genug Zeit zu haben, das Etappenziel, die Hütte Nammalakuru, zu erreichen.

Als wir am Morgen aufwachten, war die Sonne offziell zwar noch nicht aufgegangen, aber es war hell und wir hatten genug Tageslicht, um unser Porridge zu essen und zusammenzupacken. Wir gingen wieder zurück zum Auto und luden Dinge, die wir für die Wanderung nicht brauchten, in den Kofferraum. Dann ging es endlich los.

Begleitet von den Strahlen des ewig andauernden Sonnenaufgang erklommen wir im tiefen Schnee den Laukukero (762m). Die Gamaschen hatten wir mitgenommen und darüber waren wir auch froh, da uns der Schnee manchmal bis zu den Oberschenkeln reichte. Je höher wir kamen, desto stärker pfiff der Winterwind und desto mehr Kleidungsstücke mussten wir uns nach und nach überziehen. Die Aussicht war herrlich und wir hatten einen weiten Blick über das in Sonnenlicht getauchte Lappland. Ich fühlte mich wahnsinnig befreit und bekam das breite Grinsen kaum wieder aus meinem Gesicht.

Vom Laukukero führte uns der Weg hinunter in eine Senke. Dort war der Schnee so tief, dass wir bis zur Hüfte darin steckten und jeder Schritt einer Turnübung glich. Dieser Zustand dauerte zum Glück nicht lange an und schon begann der Anstieg auf den Taivaskero (809m), den höchsten Punkt unserer Tagesetappe. Oben angelangt hielten wir erstmal inne und genossen den 360-Grad-Blick über das winterliche Lappland. Wir hatten genug gespeicherte Körperwärme für ein paar Gipfelfotos, danach trieb uns aber der eisige Wind wieder talwärts. Die nächsten Kilometer führten uns leicht bergab immer Richtung Norden.

Der Weg war durchwegs gut mit Holzpflöcken markiert, zusätzlich hatte ich den Streckenverlauf auf meiner GPS-Uhr im Blick. Somit konnten wir die eine oder andere Abkürzung über die Schneedecke nehmen.

Irgendwann hatte ich Lust auf Schokolade – natürlich. Diese zu essen stellte sich aber als etwas beschwerlich heraus. Das erste Stück zerkaute ich sofort im Mund, nur um das Gefühl zu haben, gerade eine Handvoll Sägespäne zu essen. Das zweite Stück ließ ich dann ca. 2 Minuten im Mund aufwärmen, bis ich endlich den Geschmack von Schokolade auf der Zunge ausmachen konnte. Mit diesem Wissen bereichert, konnte ich die restliche halbe Tafel bei voller Geschmacksentfaltung genießen 🙂

Teilweise erschwerte uns die Schneebeschaffenheit das Vorankommen. Auf dem Schnee hatte sich stellenweise eine harte Schicht gebildet, auf der wir ab und zu einbrachen, um dann wieder knietief im Schnee zu versinken. Dieses unerwartete Einsinken kostete sehr viel Kraft und verlangsamte unser Tempo.

Allerdings bot sich uns auf eben dieser gefrorenen Schicht eine tolle Gelegenheit. Plötzlich blieb Dominik stehen und zog aus seinem Rucksack zwei Plastiksackerl heraus. Ich wusste, was das bedeutete: improvisiertes Bobfahren! Wer kann schon von sich behaupten, im Nationalpark Pallas-Yllästunturi den verschneiten Hang auf einem Plastiksackerl hinuntergekugelt zu sein? Wir rutschten so oft den Hügel hinunter, begleitet von unglaublich lautem Kreischen (meinerseits), bis mir der Hintern einfror und ich dann doch wieder Lust auf ein paar aufwärmende Wanderschritte hatte.

Nach einer kurzen Jausen-Pause in der Hütte Rihmakuru kota ging es an den letzten Anstieg. Während diesem wurden wir begleitet von der untergehenden Sonne, die die Natur in wechselnd rosa und oranges Licht tauchte. Immer wieder blieben wir stehen, um das Naturschauspiel zu bewundern. Der Sonnenuntergang dauerte gefühlt eine Ewigkeit und mit den letzten Sonnenstrahlen erreichten wir schließlich auch die Hütte Nammalakuru, in der schon sieben Finnen und Finninnen ein warmes Feuer gemacht hatten.

Nach dem Abendessen (Instant-Nudeln, mmhhhh!) gingen wir noch einmal vor die Tür, um das so unglaublich helle Licht des Vollmonds und den Sternenhimmel zu bestaunen. Nordlichter sahen wir leider nicht, dennoch war die nächtliche Stimmung beinahe magisch.

 

Der zweite Tag

Während des morgendlichen Toilettengangs wurde ich auf der einen Seite des Horizonts vom untergehenden Vollmond begrüßt und auf der anderen Seite von der aufgehenden Sonne. Im Tal hatte sich eine dichte Nebelsuppe gebildet und ich genoss diesen außergewöhnlichen Ausblick.

Aufgrund des Nebels im Tal überlegten wir kurz, den Weg vom Vortag auch wieder zurück zu nehmen. Aber nach einigen Schritten kroch der Nebel auch Richtung Berg und wir entschieden, doch den Winterweg im Tal zu nehmen. Wenn ein Weg in Finnland als “Winterweg” ausgeschrieben ist, bedeutet dies meistens, dass er größtenteils durch Moor-Landschaft verläuft. Im Sommer sind diese unmöglich zu durchqueren, aber auf Eis und Schnee wird dies möglich.

Leider war Anfang November die Eisdecke noch nicht wirklich tragfähig und wir brachen immer wieder ein und tunkten unsere Füße in Moormatsch. Dies hatte zur Folge, dass sich eine dicke Eis- und Schneeschicht um unsere Wanderschuhe bildete, die wir immer wieder abklopfen mussten, da wir ansonsten gefühlte 3kg mehr mit uns mitschleppten.

Der Weg an diesem Tag war sehr konträr zu dem am Vortag. Er führte uns durch einen Winterwunderwald, durch den immer wieder die aufgehende Sonne blinzelte, da der Nebel sich verzogen hatte. Das freute uns umso mehr, hatten wir doch mit einem bedeckten Himmel gerechnet.

Auf dem Großteil unseres Weges begleiteten uns frische Rentier- und Elchspuren. Gerne hätte ich eines dieser Tiere gesehen, aber das Fährtenlesen machte ebenfalls Spaß.

Das Vorankommen wurde auch an diesem Tag manches Mal erschwert durch das immer wieder unkontrollierte Einbrechen durch die Eisdecke und die verschiedenen Schneebeschaffenheiten. Außerdem waren wir ein wenig ermüdet vom Vortag und hatten mehr Kilometer zu gehen.

Trotzdem schafften wir es auch an diesem Tag, mit dem letzten Tageslicht unser Etappenziel zu erreichen. Wahnsinnig glücklich über die Schokodesserts, die ich am Tag davor im Auto als kleine Belohnung gelassen hatte, traten wir die Heimfahrt zurück nach Oulu an.

Diese Wanderung im Nationalpark Pallas-Yllästunturi war definitiv die schönste, die ich bis zu diesem Zeitpunkt in Finnland gemacht hatte und ich kann sie jedem und jeder nur wärmstens empfehlen!

 

Nützliche Informationen zur Wanderung im Nationalpark Pallas-Yllästunturi
  • Wir haben diese Wanderung Anfang November bei tiefem Schnee, Sonnenschein und ca. -5 Grad Durchschnittstemperatur gemacht. Auf den Gipfeln kann ein recht kalter Wind wehen, daher genug warme Kleidung für eine Pause einpacken!
  • Winterweg in Finnland heißen nicht umsonst so. Meistens führen sie durch tiefe Moore, die erst durchquert werden können, wenn sie vollständig zugefroren sind. Dies ist bei der Planung unbedingt zu beachten!
  • Alle Informationen zum Nationalpark Pallas-Yllästunturi findet man auf der offiziellen Website www.nationalparks.fi.
  • Die Anreise zu dieser Wanderung empfiehlt sich per eigenem PKW oder Mietauto, kostenlose Parkplätze gibt es beim Hotel Pallas.
  • Schneeschuhe sind definitiv zu empfehlen, wir haben die Wanderung aber auch ohne gut gemeistert.
Dominik am Laukukero
Dominik am Laukukero
Sonnenuntergang im Pallas-Yllstunturi
Sonnenuntergang um 15:30 Uhr
Dominik im Tiefschnee bei Sonnenuntergang
Tiefschneestapfen
Die Hütte Nammalakuru im Vollmondlicht
Vollmond
Sonnenaufgang im Pallas-Yllästunturi
Sonnenaufgang
Dominik im Winterwunderwald im Pallas-Yllästunturi Nationalpark
Winterwunterland
Mittagssonne im winterlichen Pallas-Yllästunturi
Mittagssonne
Eine kleine Tanne in der finnischen, winterlichen Mittagssonne
Wenn die Wintersonne den Zenit erreicht

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