1. Tag: Vom Hafen Kuopio bis zur Insel Kakssalmiset
17,9km | 4:35 Stunden Fahrtzeit
2. Tag: Von der Insel Kakssalmiset bis zum Hafen Kuopio
27,4km | 5:57 Stunden Fahrzeit

 

Wenn man schon einmal im Land der 1.000 Seen (und noch mehr) ist, muss man nicht nur einmal in einem geschwommen, sondern auch auf einem mit dem Kanu gefahren sein. So stelle ich mir das jedenfalls vor. Und zum Glück hatte dann Dominik auch die Idee, in Kuopio ein Kanu auszuborgen und mit diesem ein ganzes Wochenende zwischen den vielen Inseln des Kallavesi herumzugondeln. Gesagt, getan. Wir mieteten wieder einmal ein Auto, packten noch die zwei Franzosen Adrien und Julien ein und auf ging es nach Kuopio.

Dort angekommen stellten wir ziemlich schnell fest, dass wir uns mitten in der Nebensaison befanden. Außer uns waren kaum andere Menschen beim Hafen und auch der Mitarbeiter des Kanu-Verleihs teilte uns mit: “Wenn ihr Hilfe braucht, dann habt ihr Pech gehabt. Zu dieser Jahreszeit ist niemand am See.” Mhm. Wir nahmen es zur Kenntnis und ich zuckte mit den Schultern. Was blieb uns auch Anderes übrig.

Der Vermieter empfahl uns, die beiden Kanus mithilfe von Holzstangen zu einem Katamaran umzubauen. Somit hätten wir mehr Stabilität bei höherem Wellengang, was auf einem See von der Größe des Kallavesi durchaus vorkomme, wurde uns gesagt. Tatsächlich ist der Kallavesi mit einer Fläche von 478,1km² der zehntgrößte See Finnlands und von einer doch recht beachtlichen Größe. (Zum Vergleich: Der Neusiedlersee z.B. hat 320km².)

 

Der erste Tag

Die Jungs hatten die fixe Idee, bis zur Hütte zu fahren und dort zu übernachten. Ich wollte zwar auch im warmen Holzhaus übernachten, war aber skeptisch, ob wir die dazugehörige Insel auch erreichen würden. So ganz traute ich meinen Oberarmen dann auch wieder nicht. Sobald wir den Hafen verließen, kamen wir auf ein ordentliches Tempo und schon nach kurzer Zeit spürte ich, wie die Muskeln in meinen Oberarmen mich im Stich ließen. Oh oh.

Ich ließ mir aber natürlich nichts anmerken und paddelte munter weiter und konzentrierte mich mehr auf die wunderschöne Natur, die uns umgab. Die ersten paar Kilometer fuhren wir noch im Schutz des Festlands entlang, vorbei an vielen protzigen Ferienhäusern. Ein wenig später ließen wir die Zivilisation jedoch hinter uns und vor uns erstreckte sich die Weite des Kallavesi in ihrer ganzen Pracht. Wir konnten uns gar nicht entscheiden, auf welcher der unzähligen kleinen Inseln wir unsere Mittagsjause verschlingen sollten. Schließlich entschieden wir uns für eine winzig kleine, auf der lediglich ein kleines Häuschen, eine Sauna und ein einfacher Pavillon Platz fanden. Während wir so saßen und vor uns hin futterten, kroch uns die Kälte immer tiefer in die Knochen, sodass wir recht schnell wieder aufbrachen, um uns während des Paddelns aufzuwärmen.

Immer wieder stoppten wir, um uns neu zu orientieren. Das Zurechtfinden auf dem Wasser ohne bestimmte Wege war für uns etwas neu. Beim Wandern folgt man ja doch einem vorgegebenen Weg. Wir genossen die Stille auf dem Wasser, lediglich das Plätschern kleiner Wellen war zu hören. Über dem See lag ein Teppich aus Nebel, was der ganzen Szenerie einen wunderbar herbstlichen Anstrich verpasste.

Wir kamen schneller voran, als ich gedacht hatte und nach einigen absichtlichen Umwegen, um unsere Fahrt etwas zu verlängern, erreichten wir die Insel Kakssalmiset, auf der eine Hütte zur freien Übernachtung steht. Die Sonne befand sich kurz vor Untergang und wir hatten Glück, noch bei Tageslicht das Feuer am Grillplatz entzünden zu können, um eine herrliche Grillerei veranstalten zu können.

Als es finster war, konnten wir Nordlichter hinter der Wolkendecke ausmachen, aber mehr als ein dumpfer Schein war natürlich nicht zu sehen. Das ist in Finnland gar nicht so selten, dass man aufgrund des bedeckten Himmels zwar sieht, dass gerade Nordlichter über einem tanzen, man sie aber nicht wirklich beobachten kann.

 

Der zweite Tag

Der nächste Tag begann mit der schon gewohnten Routine: Porridge zubereiten! Nach einem ausgiebigen Frühstück blinzelte auch die Sonne ein wenig zwischen den Wolken hervor und wir starteten motiviert in einen neuen Kanu-Tag.

Die Jungs wollten heute eine große Runde angehen und über einen ordentlichen Umweg nach Kuopio zurückfahren. Da ich nicht allzu ausgeschlafen war, war ich vorerst von dieser Idee nicht allzu sehr begeistert. Als wir jedoch immer weiter in den Norden des Sees kamen, war ich froh, dass wir diese Route gewählt hatten. In knalligem Gelb strahlende Bäume und wunderschöne kleine und große Mökkis säumten das Ufer. Die Stimmung war grandios und ich grinste von einem Ohr zum anderen.

Zwar spürte ich leichte Verspannungen in Schultern und Nacken von den Anstrengungen des Vortags, trotzdem ging mir das Paddeln überraschend leicht von der Hand. Als wir den Schutz der Inseln verließen und über eine recht große Distanz den See queren mussten, gaben wir noch einmal ordentlich Gas und erreichten ohne eine einzige Pause den Hafen in Kuopio. Wir waren alle ziemlich überrascht, wie viel Kraft wir noch einmal aus unseren doch schon recht ermüdeten Ärmchen herausgeholt hatten.

Da das Adventure Center am Sonntag geschlossen hat, sperrten wir die Kanus inklusive der ausgeborgten Ausrüstung in die Scheune nebenan. Im Auto zurück nach Oulu schlief ich ziemlich schnell ein. Das Wochenende war zwar körperlich anstrengend gewesen, hatte sich aber in jedem Fall ausgezahlt!

 

Nützliche Informationen
  • Diese Tour haben wir Ende September gemacht, also in der Nebensaison. Die Natur ist zu dieser Zeit wunderschön herbstlich und die Miet-Preise für ein Kanu oder Kajak sind wunderschön günstig.
  • Wir haben unsere Kanus beim Adventure Center direkt in Kuopios Hafen gemietet. Der Verleih war unkompliziert und die MitarbeiterInnen kompetent und freundlich.
  • Auf dem Kallavesi gibt es mehrere Inseln, auf denen sich öffentlich zugängliche Feuerstellen, Laavus oder eine Hütte zum Übernachten befinden. Vom Vermieter erhält man Karten, auf denen diese Inseln vermerkt sind.
Die Hütte auf der Insel Kakssalmiset
Unsere Unterkunft
Der Grill- und Anlegeplatz vor der Hütte
Grill- und Anlegeplatz der Insel Kakssalmiset
Im Innneren der Hütte auf der Insel Kakssalmiset
Guten Morgen!
Dominik und Adrien filtern den Trinkwasserbedarf des Tages
Wasser filtern
Drei der vielen Inseln auf dem Kallavesi
Herbstlicher Ausblick aus dem Kanu
Adrien beim Paddeln
Wenn die Sonne scheint, strahlt auch Adrien
Ein Gruppenbild in den Kanus
Die Bande

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