1. Tag: Vom Zentrum Hailuotos zum Strand von Marjaniemi
22,8km | 5:26 Stunden Gehzeit
2. Tag: Vom Strand von Marjaniemi zum Zentrum Hailuotos
20,3km | 4:11 Stunden Gehzeit

 

Nach nicht einmal zwei Wochen in Finnland wurde ich hibbelig: Ich musste mit meinen Wanderschuhen und dem Zelt raus in die Natur! Von Mitbewohnerinnen im Wohnheim hörte ich, dass sich dafür Hailuoto, eine Insel südwestlich von Oulu, gut anbiete. Die Insel hat gerade einmal 1000 EinwohnerInnen und ist verkehrstechnisch recht gut erschlossen, da die Buslinie 59 von Oulus Bahnhof direkt auf die Insel fährt. Die Fähre zwischen Festland und Hailuoto ist kostenlos. Also dachte ich mir: Auf zum Wandern auf Hailuoto!

Dominik, ein Studienkollege aus Ulm, der genauso verrückt ist wie ich und sein gesamtes Outdoor-Equipment eingeflogen hatte, begleitete mich. Samstagfrüh trafen wir uns in voller Wandermontur vor dem Wohnheim und ab ging es zum Bahnhof. Von dort nahmen wir den Bus Nummer 59 Richtung Hailuoto. Die Wettervorhersage hatte zwar Sonne versprochen, so früh am Morgen legte sich aber eine dichte Nebeldecke über die Landschaft. Der Ausblick aus dem Busfenster gefiel mir. Nach einer kurzen Fährfahrt erreichten wir die Insel. Pünktlich kamen wir bei der Bushaltestelle an aber nicht an, da der Busfahrer mehrmals stehen blieb, um Zeitungen und frisches Brot auszuliefern. Dank der vorherigen Planung mit komoot und Google Streetview stiegen wir bei der richtigen Haltestelle im Zentrum der Insel aus und starteten die Wanderung.

 

Der erste Tag

Der Weg ist durchwegs gut mit Holztafeln markiert, sodass die Orientierung leichtfällt. Wir marschierten durch den immer lichter werdenden Nebel. Immer wieder viel uns auf, wie angenehm still es war. Kein Wind, kein Verkehrslärm und kein menschlicher Laut waren zu hören, lediglich unsere Schritte auf dem weichen, feuchten Waldboden. Die Landschaft in Finnland unterscheidet sich stark von der Österreichs. Die Wälder sind lichter, die Bäume kleiner und von geringerem Durchmesser und der Waldboden ist übersät von knöchelhohen Beerensträuchern. Auf Hailuoto ist der hohe Anteil an Flechten auffallend, der dem sandigen Boden zu verdanken ist. Der Weg führt eben durch den Wald, folgt Alleen und quert einen See. Hier hieß es für uns: Schuhe ausziehen. Nach der Querung beschlossen wir, barfuß weiterzuwandern, da der weiche, moosige Boden sich wunderbar weich unter den Füßen anfühlte.

Schließlich kam auch die Sonne heraus und wir erreichten den See Sunijärvi, an dem sich die gleichnamige Hütte befindet. Hier kann man kostenlos übernachten, bis zu vier Personen finden Platz. Gehacktes Feuerholz für den Ofen in der Hütte und die Feuerstelle direkt davor werden bereitgestellt. Was uns ein bisschen verwundert hat, war die Überwachungskamera, die, in einem Vogelhaus versteckt, die Hütte filmt. Aber dass die finnische Bevölkerung visuelle Bewachung eher gut, als schlecht findet, habe ich mittlerweile schon herausgefunden: In jedem Klassenzimmer hängt eine Überwachungskamera.

Auf Hailuoto ist mir dann aber zum Glück keine weitere Kamera aufgefallen, außer den beiden, die Dominik und ich regelmäßig gezückt haben, um unsere Wanderung festzuhalten 😉

Der Weg führt in gewohnter Umgebung fort. Was für mich definitiv neu und ungewohnt war, war die Tatsache, dass man in Finnland hauptsächlich eben und umgeben von Wald dahinwandert. Das ist zwar einige Kilometer lang schön, aber irgendwann sehnt man sich dann doch nach ein wenig Aussicht. Zum Glück erreichten wir nach kurzer Zeit das Meer und genossen einige stille, sonnige Momente, die uns die notwendige Abwechslung brachten.

Der Abschluss unserer Tages-Etappe wäre eigentlich das Lavuu Hannuksenlampi gewesen, jedoch hatten dort schon zwei Wanderinnen ihr Zelt aufgeschlagen. Also entschieden wir spontan, unser Abendessen zwar am Feuer des Laavus zu grillen, jedoch am Strand zu übernachten. Und wir wurden mit dieser Entscheidung gleich mehrfach belohnt. Nicht nur, dass wir einen herrlichen Sonnenuntergang sehen durften, um kurz vor Mitternacht präsentierten sich uns auch die ersten Nordlichter, die ich jemals gesehen hatte.

 

Der zweite Tag

Der nächste Tag entpuppte sich leider als nicht ganz so spektakulär wie der erste, trotzdem aber war es eine nette Wanderung zurück zum Ausgangspunkt, wo wir genau rechtzeitig zur Bushaltestelle kamen, wo uns auch schon derselbe Fahrer vom Vortag einklaubte und zurück nach Oulu brachte.

Als Resümee lässt sich sagen: Wandern auf Hailuoto zahlt sich aus! Und Übernachten am Strand sowieso.

 

Nützliche Informationen
  • Wir haben diese Wanderung Anfang September gemacht und wurden mit Sonnenschein und milden Temperaturen belohnt. Da die Wege jedoch einfach zu begehen sind, ist eine Wanderung zu jeder Jahreszeit und bei jeder Wetterlage möglich.
  • Kartenmaterial der offiziellen Hailuoto-Seite von beinahe allen Wanderwegen auf der Insel. Auch die Unterkünfte sind hier vermerkt.
  • Fahrplan der Fähre
  • Fahrplan der Bus-Linie 59

 

 

Dominik wandernd auf Hailuoto
Dominik zwischen den Flechten
Dominik wandernd am Strand Hailuotos
Dominik am Strand Hailuotos
Sonnenuntergang am Strand Hailuotos
Sonnentuntergang am Strand Hailuotos
Unser Zelt am Strand Hailuotos bei Sonnenuntergang
Schlafplatz am Strand
Nordlichter gesehen am Strand Hailuotos
Endlich! Nordlichter!

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