Vom Refugi Tossals Verds zum Refugi Son Amer
15,5km | 740m ↑, 830m ↓ | 4:06 Stunden Gehzeit


 

Es wartete wieder ein entspannter Tag auf mich. Im Gegensatz zu zwei Paaren, die ich im Refugi getroffen hatte, musste ich nicht den gleichen Weg wie am Vortag wieder zurückgehen. Denn glücklicherweise hatte ich mich für die Variante über den Pas Llis entschieden.

Also ging ich früh am Morgen gespannt auf den kommenden Tag und Weg los. Nordwestlich der Hütte führte der GR221 sanft ansteigend entlang. Es war ein richtig schöner Tagesbeginn mit klarer, frischer Luft und den ersten Sonnenstrahlen. Ich merkte, dass ich von Tag zu Tag motivierter wurde und war kurz enttäuscht, dass dies mein vorletzter Tag sein sollte. Statt jedoch Trübsal zu blasen, beschleunigte ich meine Schritte etwas und fing wieder einmal an, vor mich hinzusingen.

Der schmale, grobe Pfad führte mich eine kurze Strecke um den Puig dels Tossals Verds herum, um dann nach rechts in eine langgezogene Bergsenke zu führen. Anfangs noch zwischen den Bäumen, schreitet man schließlich oberhalb der Baumgrenze immer weiter auf den Pass zu, an dem die Berge links und rechts schließlich zusammenführen. Ursprünglich hatte ich geplant, auf dem Weg den Puig de Massanella mitzunehmen und von dessen Gipfel eine Alternativroute zu wählen. Als ich jedoch an der Weggabelung stand, entschied ich, doch dem offiziellen GR221 zu folgen, da sich der Gipfel zu diesem Zeitpunkt unter einer dicken Wolkenhaube befand.

Schließlich befand ich mich am Ende der Senke, am höchsten Punkt meiner Tagesetappe. Ich freute mich wie ein kleines Kind über die schöne Aussicht, die sich mir bot. So ruhig und gleichzeitig aufgeregt war ich schon lange nicht mehr gewesen. Das ist das Schöne an der Natur: Sie ist kostenfrei und bietet im Gegenzug so viel Wertvolles.

Ich ging nun ein wenig bergab, um dann auf der gegenüberliegenden Seite wieder bergauf zu marschieren, immer zuhaltend auf den Puig d’en Galileu. Ganz auf den Gipfel bin ich nicht gegangen. Stattdessen habe ich mich ein kleines Stück darunter auf eine Felsformation gesetzt, ein Schokocroissant gefuttert und den Ausblick auf das Tal des Klosters Lluc genossen. Die Wolken legten an diesem Tag innerhalb kürzester Zeit ein ordentliches Stück Weg zurück, sodass sich die Aussicht kontinuierlich veränderte. Während meiner Pause leistete mir eine Gruppe Ziegen Gesellschaft. Sie kam neugierig immer näher, hielt sich aber doch respektvoll im Hintergrund.

Ich rief kurz meine Frau Mama an, um ihr zu berichten, dass ich weder abgestürzt, noch von bösen Männern verschleppt worden war und erwähnte selbstredend auch die unglaubliche Aussicht. Man muss die Leute Zuhause schließlich auch ein wenig neidisch machen.

Danach machte ich mich an den Abstieg zum Kloster Lluc. Gemütlich führt der GR221 in Serpentinen das Tal hinunter, großteils wieder grob gepflastert, wie man es schon kennt. Man erreicht die Baumgrenze und bahnt sich seinen Weg im Wald fort. Schließlich nähert man sich dem Kloster vom Süden kommend. Als erster erreicht man den großen Parkplatz. Im Sommer ist dieser vermutlich voll, aber jetzt im Winter waren nur vereinzelt Autos zu sehen.

Ich beschloss, mir das Kloster anzusehen, da es noch relativ früh und zum Refugi nicht mehr weit war. Der Zutritt zum Gelände ist kostenlos, also schlenderte ich ein wenig herum. Im Hof gibt es ein Café, in dem ich mir einen Kaffee und ein Stück Apfelkuchen gönnte, das aber leider nicht wirklich gut war. Der Kellner wollte mir dann noch erklären, dass man auf Mallorquin “Si” für “Nein, danke” und “No” für “Ja, bitte” verwendet. Als ich ihn sehr skeptisch ansah, musste er lachen und entschuldigte sich für seinen wohl nicht guten Scherz.

Ich nutzte meine freie Zeit noch, um einige Postkarten im Souvenirshop zu kaufen und auch gleich zu schreiben. Da das Wetter aber nicht mehr sonderlich schön war, wurde mir das lange Herumsitzen langsam zu frisch und ich machte mich auf den Weg zum Refugi. Es liegt nur knapp einen halben Kilometer vom Kloster entfernt am GR221, es war also nicht mehr weit.

Eine schöne Überraschung war, dass ich ein Vier-Bett-Zimmer ganz für mich alleine hatte. Ein bisschen Privatsphäre beim Schlafen ist schließlich auch mal wieder nett.

Man kann übrigens auch im Kloster Lluc übernachten, aber das ist nicht so günstig wie das Refugi.

 

Unterkunft: Kloster Lluc, Refugi Son Amer
Versorgung am Ankunftsort: Café und Lokale beim Kloster Lluc

Blick über das Comellar des Prat auf dem GR221 auf Mallorca
Blick über das Comellar des Prat
Gebetsort beim Kloster Lluc am GR221 auf Mallorca
Beim Kloster Lluc

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