Von Port de Sóller zum Refugi Tossals Verds
23,3km | 1080m ↑, 660m ↓ | 5:26 Stunden Gehzeit


 

Dieser Tag war einer der zwei schönsten des gesamten Weges. Ein spannender Weg mit herrlichen Aussichten, eine gute Jause und als Schlusspunkt das wohl am schönsten gelegene Refugi auf der Tour haben diese Etappe zu einer ziemlich besonderen gemacht.

Da ich wusste, dass dieser Tag der längste des gesamten GR221 sein würde, startete ich früh. Ich ging vom Refugi die Straße Richtung Port de Sóller hinunter. Von dort folge ich den Schienen der Tren de Sóller, einer seit 1912 existierenden Bahn, die zwischen Port de Sóller und Palma verkehrt. In Sóller angekommen, besorgte ich mir in einer Bäckerei noch zwei Schokocroissants und ein Baguette. Am Vortag hatte ich mir in Port de Sóller schon eine Stange Salami gekauft. Ich plante, all das in den nächsten zwei Tagen als Wegzehrung zu verspeisen und freute mich schon darauf.

Sóller ist ein hübsches, kleines Städtchen, in dem ich gerne mehr Zeit verbracht hätte, aber ich wollte nicht riskieren, zu spät im Refugi anzukommen.

Ich querte die Stadt gen Nordwesten. Als ich mich in deren Ausläufern befand, stieg der Weg sanft an und schon sah ich die erste Markierung des GR221. Ich folgte ihr nach rechts, hinein in die Trockenmauern. Von da an folgte ich einem grob gepflasterten Weg, der sich durch das Tal die Terrassen hinauf immer höher schlängelt. Nach jeder Kehre bot sich ein neuer, noch schönerer Ausblick. Oft packte ich meinen Fotoapparat aus und betrachtete das Tal und Sóller, welches immer weiter in der Ferne liegt. Der Aufstieg hat es in sich, aber der schöne Weg entlohnt einen.

Je höher ich kam, desto mehr deutsche Touristen kamen mir entgegen. Später erfuhr ich, dass die sich mit dem Bus aus Sóller zum Stausee Cúber kutschieren lassen und dann den Weg einfach bequem hinunter gehen. Abgesehen davon war der Weg wirklich schön und ich genoss ihn sehr.

Oben schließlich angekommen, erstreckt sich der Stausee Cúber in einiger Entfernung. Es ist ein schönes Hochtal, dessen Anblick ich längere Zeit genoss.

Ursprünglich hatte ich geplant, südöstlich des Stausees den Weg zum Refugi zu nehmen, doch einer der Einheimischen hatte mich am Vorabend im Refugi de Muleta gewarnt, dass der Weg mit dem großen Rucksack eher ungemütlich sei. Man müsse nämlich gebückt durch mehrere Tunnel gehen und da ich zusätzlich meine Stirnlampe nicht dabei hatte, wählte ich den offiziellen GR221. Außerdem stellt die Alternativroute einen Umweg zum Refugi dar, da man den Graben zwischen Unterkunft und Weg nicht überwinden kann.

Daher folgte ich dem GR221, der um den Cúber auf die andere Seite führt. Am nordöstlichen Ufer gönnte ich mir dann endlich Schokocroissant und Salami und mir hatte schon lange nichts mehr so geschmeckt wie diese Jause. Am Berg ist eben jede Speise delikater als anderswo und man fühlt sich wie ein kleiner König, so mampfend am Fels, die Berge Mallorcas vor einem.

Da sich der Parkplatz in der Nähe befand, bat ich einen mallorquinischen Busfahrer, ein Foto von mir zu schießen. Der gute Mann war aber mit Fokus und Bildkomposition wohl etwas überfordert, sodass ich entweder unscharf oder nur zur Hälfte zu sehen bin.

Ab dem Cúber hat man zwei Möglichkeiten, den GR221 weiterzuwandern. Beide Varianten führen zum Refugi Tossals Verds. Die längere umrundet den Puig dels Tossals Verds, die andere führt südwestlich daran vorbei und durch den Pas Llis, eine kurze Kraxelpartie mit Ketten als Kletterhilfe. Ich wählte die Variante mit dem Pas Llis, da ich ein bisschen nach Abenteuer Ausschau hielt und nicht am Folgetag Stücke des Weges noch einmal gehen wollte. Denn wählt man die längere Route um den Puig dels Tossals Verds, muss man ihr in entgegengesetzter Richtung wieder ein paar Kilometer lang folgen, um zum Refugi Son Amer zu kommen. Und das war mir dann auch ein bisschen zu blöd.

Also machte ich mich an den letzten Anstieg des Tages. Zügig ging es die paar verbliebenen Höhenmeter hinauf und sobald ich den Kamm erreicht hatte, packte ich mein Leben nicht mehr. Denn vor mir lag die atemberaubendste Aussicht des gesamten GR221. Ich blickte über ein weitläufiges Tal, dass sich in der Ferne immer weiter öffnet. Am Horizont erhebt sich der Puig s’Alcadena. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie oft ich: „Shiiiiiit!“ murmelte, aber es war sehr, sehr oft. Ein wenig enttäuscht war ich, als ich merkte, dass die Aussicht auf den Fotos nicht einmal annähernd so spektakulär wirkte wie in natura. Umso länger saugte ich dieses Bild in mich auf, um es so lange wie möglich bewahren zu können.

Den ganzen Abstieg über blieb ich immer wieder stehen, um den neu entstandenen Blick auf den Puig s’Alcadena zu verinnerlichen. Er erinnerte mich an einen Berg nicht von diesem Kontinent. Mächtig sitzt er vor dem Talausläufer und grenzt sich von seinen Nachbarn klar ab. Alle paar Meter versuchte ich erneut, ihn passend vor die Linse zu bekommen, jedoch wollte es mir nicht so recht gelingen.

Der Weg ins Tal hinab ist ein schmaler, teils felsiger Pfad. Dies gefiel mir, denn es erinnerte mich an die Alpen daheim. Ich summte und pfiff vor mich hin und genoss den Abstieg sehr.

Schließlich nähert sich der Weg der Felswand des Puig dels Tossals Verds und dem zu besteigenden Pas Llis. Als ich mich an den Eisenketten hinaufhangelte verspottete mich eine Bergziege am gegenüberliegenden Hand mit lautem Meckern. Vermutlich waren meine Kletterkünste so offensichtlich schlechter als die ihren.

Nach dem Pass führt der Weg beinahe eben Richtung Refugi, nur manchmal geht es ein bisschen hinauf und hinunter. Sobald man sich am südöstlichen Fuße des Puig dels Tossals Verds befindet, geht es bergab zum namensgleichen Refugi. Ich querte wieder einige Trockenmauern sowie Schaf- und Ziegenherden.

Schließlich kam ich seitlich zum Refugi und freute mich, dass man von deren Terrasse aus einen herrlichen Ausblick auf den Puig s’Alcadena hatte. Auf genau dieser Terrasse futterte ich die Reste meiner Jause und aktualisierte mein Reisetagebuch.

Zum Glück war ich wieder einmal recht früh angekommen, um mir eine der wenigen Steckdosen im Schlafsaal zu sichern. Das Abendessen im Refugi war gewohnt richtig gut und wieder kam ich mit den anderen Wanderern ins Gespräch.

Mit dieser Tagesetappe war ich sehr zufrieden. Schöner hätte sie nicht sein können. Auch an diesem Tag gab es wieder beste Markierungen. Die App komoot diente lediglich zur Aufzeichnung der Etappe.

 

Unterkunft: Refugi Tossals Verds
Versorgung am Ankunftsort: Quelle direkt vor dem Refugi

Ein Stück gepflasterten Weges auf dem Weitwanderweg GR221 auf Mallorca kurz hinter Sóller
Die Stiegen hinauf zum Stausee Cúber
Blick auf Sóller vom Weitwanderweg GR221 auf Mallorca
Blick auf Sóller
Blick auf den Stausee Cúber am Weitwanderweg GR221 auf Mallorca
Blick auf den Stausee Cúber
Der Puig Major, höchster Berg Mallorcas
Der Puig Major, höchster Berg Mallorcas mit Militärstützpunkt am Gipfel
Blick auf den Puig s'Alcadena am Weitwanderweg GR221 auf Mallorca
Und hier der stolze Puig s'Alcadena in der Ferne
Der Pas Llis am Weitwanderweg GR221 auf Mallorca
Der Pas Llis
Blick auf den Puig s'Alcadena am Morgen vom Refugi Tossals Verds
Blick auf den Puig s'Alcadena am Morgen vom Refugi Tossals Verds aus

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