Von Esporles über Valldemossa nach Deià
20,6km | 1170m ↑, 1220m ↓ | 5:02 Stunden Gehzeit


 

Ich startete früh und die Stimmung an diesem Morgen war perfekt. Man sah die aufgehende Sonne, die im Tau und dem leichten Nebel über dem Dorf glitzerte. Andere Menschen sagen wohl kitschig dazu.

Der GR221 führt quer durch Esporles und sanft den Hang im Nordosten des Dorfes hinauf. Zwischenzeitlich wurde ich von einer kleinen Ziege verfolgt, die wohl die Apfelringe in meinem Rucksack erschnuppert hatte.

Nach einiger Zeit erreicht man ein weitläufiges, privates Anwesen, in welchem man rechts abbiegt und der immer mehr verfallenen Straße bergauf folgt. Schließlich und endlich kommt man nach einer erneuten Abzweigung nach rechts in den Wald und auf einen Erdweg. Schon ein paar Meter danach verlief ich mich zum ersten (und zum Glück einzigen) Mal auf meiner Wanderung. Der GR221 führt links den Berg hinauf, ich übersah die Stelle jedoch und ging wieder einige Meter abwärts, bis mir die App anzeigte, dass ich aber sowas von falsch war. Also drehte ich wieder um und folgte diesmal dem richtigen Weg.

Ab dieser Abzweigung ist der Weg nur noch mit Steinmännchen und aufgesprayten roten/gelben Punkten/Pfeilen markiert. Sobald man sich aber daran gewöhnt hat und weiß, dass man die Markierungen einfach auf mehreren Ebenen suchen muss, kommt man rasch zurecht.

Schließlich befindet man sich auf dem dicht bewaldeten Plateau des Hügels und kann immer mehr Ruinen der ehemaligen Kalkhütten sehen. Wieder hatte ich das Gefühl, in vergangenen Zeiten zu wandern. Vor allem, weil ich bis Valldemossa keiner Menschenseele begegnete.

Der GR221 führt nun ein wenig bergab, nur um danach wieder für den zweiten Hügel bis nach Valldemossa anzusteigen. Die Sonne begleitete mich den gesamten Aufstieg und ich war froh, dass es Februar und nicht Juni oder gar Juli war. Ich kann mir vorstellen, dass gerade dieser Anstieg dann besonders schweißtreibend sein kann. Am „Gipfel“ gönnte ich mir bei bester Aussicht eine kleine Pause mit Trockenfleisch und einem weniger appetitlichen Powerriegel. Der Abstieg nach Valldemossa ist extrem schön. Der Wald ist dicht und vermoost und der Weg führt in Serpentinen nach unten. Kurz vor der Stadt entsteht eine dschungelhafte Atmosphäre, die ich sehr genoss.

Von Valldemossa selbst war ich sehr überrascht. Ursprünglich hatte ich geplant, einfach nur schnell durchzugehen und dem Weg weiter zu folgen, aber zum Glück habe ich der netten Kleinstadt einen Besuch abgestattet. Der charmante Ortskern war gefüllt mit Menschen, die in der Sonne einen Kaffee genossen oder sich laut und angeregt mit ihren Nachbarn unterhielten. Mir gefiel diese Atmosphäre und deshalb gönnte ich mir auf den Stufen der Konditorei eine krapfenähnliche Mehlspeise in der Sonne.

Nach der Pause ging es weiter. Ich hatte geplant, bis nach Deià nicht dem offiziellen Weg zu folgen, da er einen größeren Umweg darstellte und auch wieder einmal um den Berg herumführte, anstatt direkt darüber. Und da ich gerne auf Gipfel steige und eine schöne Aussicht genieße, entschied ich mich für die Alternative.

Allerdings musste ich kurz darauf feststellen, dass ich mich für meine Alternativroute anmelden hätte müssen, da man das Naturschutzgebiet Muntanya del Voltor quert. Der junge Mann am Eingang zum Gebiet erklärte mir, ich könne an der Grenze einen alternativen Weg gehen, der etwas länger als der ursprünglich geplante war, aber bei weitem nicht so lange wie der GR221. Diese Situation stresste mich ein wenig, da ich nicht wusste, wie lange ich nun tatsächlich brauchen würde und der Weg an diesem Tag ohnehin einer der längeren war. Aber ich marschierte in zügigem Tempo los (im Nachhinein betrachtet hätte ich mir nicht so einen Stress machen müssen). Die Beschaffenheit des Untergrunds ist gut, also kam ich rasch voran. Auch hier musste ich nach Steinmännchen Ausschau halten, da der Weg von unten teilweise kaum ersichtlich war.

Hierbei handelte es sich um den letzten Anstieg des Tages. Es ging immer weiter hinauf und schließlich hatte ich es geschafft. Ich befand mich nun auf dem Reitweg vom Erzherzog, wie mir die Karte mitteilte, die mir der Mann am Eingang des Naturschutzgebietes mitgegeben hatte. Später las ich im Internet nach, dass es sich hier um Erzherzog Ludwig Salvator von Österreich-Toskana handelte. 1867 kam er nach Mallorca und blieb dort 47 Jahre lang, bis er kriegsbedingt 1914 sein Fürstentum verlassen musste. Angeblich war er bei den Einheimischen sehr beliebt, weshalb sie ihm wohl bis heute seinen Reitweg erhielten. Ich kann verstehen, warum der Erzherzog dort so gerne ritt, der Weg ist wirklich schön und man hat eine herrliche Aussicht über die Küste und das Meer.

Schließlich gelangte ich zu dem Punkt, an dem man links hinunter nach Deià abbiegt. Von diesem aus hatte ich einen wahnsinnig schönen Blick auf das Wolkengebilde, das sich über Deià auftürmte. Der Abstieg entpuppte sich als recht spannend. Er führt steil an der Felswand entlang, neben einem geht es senkrecht nach unten. Im Rother Wanderführer hatte ich gelesen, dass hier gelegentlich Nebel herrscht. Unter solchen Bedingungen muss man beim Abstieg dementsprechend Sorgfalt walten lassen. Ich befand mich nun wieder auf dem GR221, allerdings besteht die Markierung auch hier nur aus Steinmännchen und mit Holz gelegten Pfeilen am Boden. Es ist nicht immer eindeutig, wohin der Weg tatsächlich führt, deshalb ist etwas Konzentration gefragt. Nach dem steilen Stück ist man wieder im Wald und schlussendlich kommt man zu stark zugewachsenen Trockenmauern. Aber gerade deshalb machte mir dieser Abschnitt des GR221 besonders Spaß, weil er ein bisschen nach Abenteuer rief.

Plötzlich stand ich auf dem engen Pfad einem Schaf gegenüber, dass mich etwas verwundert anstarrte. Es hatte auf dem schmalen Weg keine Möglichkeit zu entwischen und deshalb trippelte es ein paar Meter vor mir dahin. Immer wieder warf es einen höchst unsicheren Blick auf mich und ich konnte spüren, dass ihm die ganze Situation etwas unangenehm war. Also blieb ich stehen und machte dem Tier den Weg frei, indem ich zwei Schritte ins Gebüsch ging. Das Schaf drehte sich um, betrachtete mich, als wäre ich absolut nicht vertrauenswürdig und galoppierte mit einem Affenzahn an mir vorbei. Diese Begegnung brachte mich sehr zum Schmunzeln. Ich kicherte ein wenig vor mich hin, so wie ich es manchmal tue, wenn ich alleine unterwegs bin 🙂

Sobald man sich eine Zeit lang durch das Gebüsch geschlagen hat (auch hier ist wieder Aufmerksamkeit auf die richtige Wegführung zu legen!), gelangt man zu einem Privatanwesen. Ich stand vor einer selbst gebastelten Barrikade und war mir unsicher, ob ich weitergehen durfte. Bei näherer Betrachtung sah ich allerdings, dass schon einige Wanderer und Wanderinnen vor mir darüber geklettert sein mussten, also tat ich es ihnen nach. Der Weg führt unterhalb der Finca vorbei und schließlich steht man wieder auf einer asphaltierten Straße, welcher man die letzten paar Meter nach Deià und zum Refugi folgt.

 

Unterkunft: Refugi Can Boi, Hotels
Versorgung: Kleiner Supermarkt, diverse Lokale, Apotheke in Deià
Zusätzliche Infos: Anmeldung für die Querung des Naturschutzgebietes Muntanya del Voltor unter info@muntanyadelvoltor.com oder +34 619 591 985

Sonnenaufgang in Esporles
Hier habe ich mich offensichtlich verlaufen
Valldemossa
Der Reitweg der Erzherzogs
Deià unter dem Nebel

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